Montag, 4. November 2013

our 1st movie

Thank you so much to Simon for making this happen <3
I loved it so much and MISS the crew !!

http://vimeo.com/78557801

Montag, 7. Oktober 2013




That time of year thou mayst in me behold
When yellow leaves, or none, or few, do hang
Upon those boughs which shake against the cold,
Bare ruined choirs, where late the sweet birds sang.
In me thou see’st the twilight of such day
As after sunset fadeth in the west;
Which by and by black night doth take away,
Death’s second self, that seals up all in rest.
In me thou see’st the glowing of such fire,
That on the ashes of his youth doth lie,
As the deathbed whereon it must expire,
Consumed with that which it was nourished by.
This thou perceiv’st, which makes thy love more strong,
To love that well which thou must leave ere long.

William Shakespeare









Mittwoch, 3. Juli 2013

home is where the heart is.



Wir saßen zum ersten Mal zusammen in unserem neuen Wohnzimmer, umgeben von Umzugskartons, auf der zerschlissenen Oma-Couch, die wir wenige Tage zuvor auf einem Flohmarkt für einen lächerlich kleinen Betrag erstanden hatten. Dennoch war ich schon jetzt stolz auf diese Couch, UNSERE Couch in UNSEREM HAUS.
Meine beste Freundin, mein allerbester Freund Slash Partner und ich vereint. Ab jetzt schien die Zukunft chaotisch, abenteuerlich und sagenhaft vielversprechend.

Zuvor hatte es reichlich zu klären gegeben, wir alle hatten unsere Laster und Makel. Mein persönliches, WG-unkompatibelstes Laster war wohl mein Ordnungs- und Hygienewahn. Beziehungsweise das Ausmaß in dem ich den Ort, an dem ich lebe, verherrliche und behüten will. Mein Freund nannte das meine Neigung zum "Nest bauen". Unordnung schien mir respektlos gegenüber dem eigenen Zuhause, das doch immer eine Oase von Sicherheit und Geborgenheit darstellen sollte.
Viele meiner Freunde konnten das nicht nachvollziehen. Sie zelebrierten die erste eigene Bude, wo man nach gut Dünken in seinem ganz individuellen Messy-Chaos leben konnte, ohne dass die Eltern regelmäßig Terror machen. Sie verstanden auch nicht, dass ich nur selten und wenige ausgewählte Menschen zu mir nach Hause einlud und Weinflecken auf meiner eigens gestrichenen Wand so bedauerlich fand. Das waren doch Party-Relikte. Doch für mich war das die Wand, die ich ganz alleine zwei Tage lang gestrichen hatte - mit Farbe, die ich eigenständig und sorgfältig ausgesucht und von dem Geld, für das ich hart arbeiten musste, erstanden hatte. Jedes einzelne Teil in meiner Wohnung hatte eine Geschichte. Ich hatte alles erarbeitet oder gehortet - das Schneidebrett (aus Glas weil man das desinfizieren konnte), die antike Bank auf dem Balkon (die aussah wie aus einem Tim Burton Film), auch das Schuhregal (das in regelmäßigen zeitlichen Abständen unter seiner zu tragenden Last zusammenbrach).
Die Anderen konnten meine Liebe für meine Wohnung nie verstehen, weil ihre für sie nur ein Ort der ersten Unabhängigkeit war. Sie wollten weg - von Zuhause, von den Eltern, von Regeln. Sie wollten sich austoben, Spaß haben, eine Weile in einer neuen Stadt verbringen - und an den Wochenenden dann Heim zu Mama. Die Wäsche waschen lassen, sich den Magen voll schlagen und mit tütenweise Fressalien und Haushaltskram wieder zurück ins frei gewählte Exil.
Für mich jedoch, war meine Wohnung der einzige Anlaufplatz. Es gab nicht irgendwo ein anderes, "richtiges", ursprüngliches Zuhause, von dem aus ich mich auf Welterkundungstour aufmachen konnte. Es wartete nirgends eine liebevolle Familie mit Kuchen auf meine allwöchentliche Rückkehr. Für mich galt: what you see is what you get. Deshalb musste der Ort, an dem ich lebte, immer sicher sein, sauber und einladend.
Lange Zeit, mein ganzes Leben eigentlich, hatte ich von einem Haus geträumt, einem Zuhause - richtig kitschig mit Gartenzaun und Veranda, mit Blumen und Kuchen, einem Garten und einem Hund. Dort sollten Kerben im Türrahmen mein Wachstum dokumentierten. Ich dachte immer: wenn man ein Haus hat, ist man eine Familie. Dieser Irrglaube war so ausgeprägt, dass ich, als sich die Gelegenheit bot, viel Geld in ein Haus investierte - in der Hoffnung dort würden wir zu einen Familie werden. In meinen Träumen sah ich goldenes Licht die Räume durchfluten; es roch nach hausgemachtem Essen. Das Erwachen war bitter. Vier Wände und ein Dach machten letztendlich auch keinen Unterschied - man hatte nur mehr Platz, um sich aus dem Weg zu gehen.
Einen großen Haufen Geld ärmer, jedoch reicher an Erfahrung machte ich mich also auf in die Welt - um ein Zuhause zu finden und vielleicht eine Familie. Ich war bemüht zu lernen, mich um mich selbst zu kümmern und dies als Privileg und nicht als Last zu sehen. Ich wollte mein Glück nicht von Anderen abhängig machen. So baute ich mir mein kleines Refugium auf in dieser scheinbar grauen Welt, mit allem, was mir wichtig erschien: Licht, Bücher, Wärme und immer etwas zu Naschen. Mit der Zeit und ganz ohne es zu erwarten, fanden sich Menschen, die waren wie ich, dich mich verstanden und am wichtigsten: die mich schätzten, wie ich war. Diese Menschen teilten meine Träume und Hoffnungen und nahmen mich, mitsamt meiner Eigenheiten. Und ganz allmählich schien das Licht wärmer, die Luft frischer die Erdanziehungskraft schwächer. Und einfach so, keine Ahnung wie es passiert ist, auf tausenden Umwegen, die ich niemals so geplant oder erwartet hatte, hatte ich eine Familie.
Und weil eine Familie zusammen sein sollte und Platz braucht, suchten wir uns ein Haus. Und in dem Moment, als wir über die Türschwelle schritten, (keuchend und unsere Flohmarkt-Couch schleppend,) wurde dieses kleine Haus zu einem Zuhause.

Donnerstag, 16. August 2012

love life, live love



1. Drinnen im Warmen sitzen, in Jogginghose, Flauschesocken und einem überdimensionalen Pullover, eingerollt in eine Felldecke, dabei Tee trinken und abwechselnd den Regentropfen zuhören/-sehen oder in dicken Büchern mit vergilbten Seiten lesen.

2. In der Wiese liegen, mit den Handflächen über das weiche Gras streichen, dem Rauschen der Bäume zuhören und dabei in den Himmel blicken und tief einatmen.

3. Fühlen, wie schön warm sich die Sonne auf der Haut anfühlt.

4. Mit Freunden irgendwo raus in die Natur fahren, Autofenster auf, die Hände im Fahrtwind segeln lassen und dabei unverschämt laut akustik Songs mitträllern.

5. Einen Tag ausschließlich mit dem Fahrrad durch die Stadt fahren und neue Straßen, Restaurants, Cafes und Läden entdecken, die man sonst übersehen hätte.

6. Smileys an die beschlagenen Scheiben der U-Bahn schmieren und zusehen, wie sie verlaufen.

7. Ohne wirkliche Abendplanung zum Weggehen fertig machen, hinfahren, wo viele Menschen sind und einfach irgendjemand neuen kennenlernen. Dann die ganze laue Sommernacht durch die Stadt spazieren und reden.

8. In einem großen Kaufhaus mit der Rolltreppe ganz rauf und wieder runter fahren und sich freuen wie ein Kind. Dabei Menschen angrinsen und zuwinken, die einem entgegenkommen.






9. Bei Sonnenuntergang über ein Feld laufen, so schnell und lang, wie man kann, bis man keine Kraft mehr hat.

10. Die Geschichten fremder Menschen anhören und entdecken, dass jeder in irgendeiner Weise großartig und bewundernswert ist.


Dienstag, 29. Mai 2012

zu Gast beim Verrückten Eismacher

Als bekennender Fan jeglicher Art von Verrücktheiten bin ich mittlerweile zur ersten Ansprechpartnerin meiner Freunde geworden, wenn es irgendetwas neues Ausgefallenes in München und Umgebung gibt. So erreichte mich letzte Woche die Kunde einer kuriosen, kleinen Eisdiele in der Innenstadt, mit Namen "Der verrückte Eismacher".
Nun ließ mir mein abenteuerlustiger Geist denn keine Wahl, als benannten Ort schnellstmöglich selbst unter die Lupe zu nehmen.


Schon von einiger Entfernung wurde ich angelockt durch den Anblick niedlicher kleiner Pilz-Tischchen, die einem das Gefühl geben man sein ein Zwerg - was meinen infantilen Geschmack sehr ansprach.


Betritt man den farbenfrohen Laden wird man sofort freundlich begrüßt von einem adretten, jungen Mann mit stilechtem schwarzen Zylinder. Matthias Münz heißt der kreative Kopf hinter der ganzen Sache. Erst kürzlich hat er seine Bachelorarbeit in Tourismusmanagement über "Die Eisdiele" geschrieben - die Leidenschaft für Speiseeis hingegen begleitet ihn schon sein gesamtes Leben.



Durch ganz Italien ist er gereist, hat in drei verschiedenen Gelaterien gelernt und gearbeitet, sowie Kurse zu diesem Fach belegt. Man merkt, mit wie viel Herzblut er dabei ist, wenn er von Senf-, Aperol-Spritz- oder Mozzarella-Basilikumeis und der guten Resonanz von Curryeis schwärmt; sich dabei in den physikalischen Details über die Gewinnung der perfekten Konsistenz von Eiscreme verliert.


Sein Laden ist ein wunderbar kreativer Ort mit kunstvollen Wandmalereien aus Tim Burton's neuer Version von Alice im Wunderland - angebracht von der jungen Künstlerin Bernadett Gera. (www.be.net/geravisuals)
Doch nicht nur optisch kann sich das Kleinunternehmen blicken lassen - auch inhaltlich ist einiges geboten.



So kauft unser verrückter Eismacher ausschließlich Fair Trade Produkte und wenn man sich eingehender mit ihm über dieses Thema unterhält wird schnell klar, dass dies nicht zu Vermarktungszwecken erfolgt sondern Resultat einer tief-verwurzelten humanistischen Einstellung ist.
Auch können sich junge Kunden aktiv in das Unternehmen einbringen, wenn ihr Eis-Ideen zwei mal monatlich in einem überdimensionalem Zylinder gesammelt und dann per Zufallsprinzip gezogen werden. Der glückliche Gewinner kann bei der Herstellung seiner persönlichen Eiskreation teilnehmen und sie dann auch kostenfrei verzehren. Aber das ist noch lange nicht alles!
Selbst für Freunde kalorienarmer Kost ist gesorgt - so war es Matthias möglich in einem höchst geheimen und langjährigem Prozess Wassereis mit 0,0 Kalorien zu entwickeln.


Mir persönlich hat es das wunderbar fruchtige Ginsekatzen-Eis angetan. Und spätestens mit dem Bier (Augustiner!)-Eis müsste unser junger Freund die Münchner in der Tasche haben.


Mein Fazit: Ein Besuch an diesem fabelhaften Ort und ein kleiner Plausch mit dem immer persönlich anwesenden, charmanten Geschäftsführer ist wärmstens zu empfehlen - an jedem Nicht-Geburtstag!

Der verrückte Eismacher hat Mo - Fr von 11:00 bis 22:00 geöffnet, sowie Sonn- und Feiertags von 13:00 bis 22:00.
(weitere Info: Amalienstraße 77; U-Bahn-Haltestelle (U3/6) Universität; Internetauftritt: https://www.facebook.com/pages/Der-verr%C3%BCckte-Eismacher/396637460353043?sk=info)

Donnerstag, 15. März 2012

life's dead



life is too slow at the moment,
too numb, too dead.
i want to feel something.
i want adrenaline and recklessness.
the taste of life only lingers at the tip of my tounge
but before i can swallow, it's gone.
life seems to evade me these days.
i feel like i can't get a grip on it.
it lures me on distracting paths and plays hide and seek,
but i can't seem to get the gist of it.

i've improved
there was a time when i didn't even realize how lost i was,
when i was so deep in the dark that i had no idea of light.
but now that i've spotted the end of the tunnel,
it's hard to keep going all the way,
when all i'd want to do is sprint.

Samstag, 4. Februar 2012

Haunt me




In letzter Zeit haben sie mich wieder heimgesucht.
Verstörende Bilder, angsteinflößende Emotionsfetzen, verwirrende Szenen.
"Fearfulness in waking life is correlated with the incidence of nightmares."
(P.S.: "Time is funny in dreams" - Anachronismen intendiert)




ONE

Ich hetze durch nächtliche Straßen einer verlassenen Stadt,
in einer verlassenen Welt.
Es ist kalt.
Kein Stern ist am Himmel zu sehen.
Ich kenne mich nicht wirklich aus.
Die Nacht beraubt die Szenerie ihrer Farben.
Beton, Neonlicht und vor Allem Schatten.
Mein Hund ist mir weggelaufen.
Ich will ihn schnellstmöglich wieder zu fassen bekommen.
Weil ich Angst vor dem habe, was er stören und erwecken könnte.
Ich folge ihm in ein verlassenes, halbfertiges Haus.
Graue, kahle Wände und leere Türrahmen.
Ich werde langsam, schleiche,
kneife die Augen zusammen in der Hoffnung, besser sehen zu können.
Mein Magen droht mich zu verraten.
Da höre ich ein seltsames Geräusch. Geräusche.
Wie ein Xylophon nur dumpfer, tiefer... und gleichzeitig hohl.
Ein Schauer läuft über meinen Rücken.
Zitternd und mit angehaltenem Atem sehe ich vorsichtig in den dunklen Raum.
Da ist etwas helles im diffusen Mondlicht.
Eine weiße Gestalt.
Ich erschaudere, meine Augen weiten sich,
ein Schrei baut sich in meinen Lungen auf, den ich gerade noch ersticken kann.
Die weiße Gestalt ist fast nackt, menschenähnlich,
wie mit hellem, getrocknetem Schlamm überzogen, der bereits bröckelt.
Es hat verfilzte, halblange Haare, die auch voll dieser eigenartigen Substanz sind.
Es hat schwarze Augen und einen Mund voll langer,spitzer Zähne.
Dieser Mund ist zu einem grausamen Lächeln verzogen.
Es hockt auf dem Boden und ist entzückt von der vermeintlichen Musik, die es spielt,
indem es weiße stockartige Gegenstände aneinander schlägt
- meine Knochen.






TWO

Es war ein schrecklicher Unfall, eine Tragödie, ein Unglück.
Vielleicht ein Autounfall - alltäglich, dennoch nicht weniger tragisch.
Wir waren beide gestorben - er und ich.
Unsere Freunde und Familien hatten uns betrauert.
Alles lief seinen gewohnten Gang.
Bis ich wieder erwachte.
Nicht tot noch lebendig.
Eine sich bewegende Leiche,
halb vermodert, vom Unfall verunstaltet und gebrochen.
Emotionslos bis auf eins:
Ich suchte ihn.
Er musste auch wach sein.
Es konnte keine Welt geben, in der nur einer von uns existiert.
Es war wider die Natur, aber ich war sicher
Wenn ich zurückgekommen war, dann er auch,
zweifellos.
Ich suchte ihn.
Ich fand ihn.
Er lag aufgebahrt in einer Leichenhalle.
Ich lies mich auf einen Plastikstuhl fallen und wartete.
Wartete bis auch er erwacht.
Und ich wartete.
Und wartete.
Und warte.



Freitag, 20. Januar 2012

Gandhi or Nietzsche or whoever... maybe just me



Es gibt Menschen, die stehen auf, weil es Zeit ist, aufzustehen.
Sie frühstücken, weil das die wichtigste Mahlzeit am Tag ist.
Sie haben ein regelmäßiges Einkommen, weil sich das so gehört, wenn man erwachsen ist.
Sie schätzen, was sie kennen.

Diese Menschen denken, Mitgefühl verdient, wer gute Noten schreibt.
Aufmerksamkeit sollte man denen schenken, die sich bemühen, ein "ordentliches" Leben zu führen.
Nichts geht ihnen über Primärtugenden: Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Fleiß.
 
Ich habe SO SEHR versucht, eine von ihnen zu sein,
mich in diese Ordnung zu fügen, ihnen zu genügen.
Weil sie einem vermitteln, dies sei die einzige Möglichkeit, zu überleben.
Doch mit jedem weiteren Punkt, den ich auf ihrer Checkliste erfüllte,
Erstickte ich mein Herz und meinen Geist mehr und mehr
- was mir nicht auffiel, weil ich jegliches Gefühl für mich selbst verloren hatte.
 
Erwachte eines Tages und fand mich in einem nach außen hin perfekt erscheinenden Leben.
Und ich verzweifelte, weil ich  mich in meinem makelloses Zuhause nicht geborgen fühlte,
Meinen fleißigen Mann nicht begehrte oder gar ertrug, ihn sprechen zu hören.
Mein ordentliches Studium frustrierte mich nur noch.

Und ich hatte Angst,
Angst, weil ich offensichtlich viel zu verlieren hatte.
Angst, weil ich alles hatte und dennoch nicht glücklich war.
Angst, weil ich als diese Gefühle nicht verstand.

So bemühte ich mich noch mehr.
Mit dem Resultat, dass ich heimlich weinte, wenn keiner hinsah.
Ich weinte aus Enttäuschung von mir selbst und aus Verzweiflung.

Spielte weiterhin meine Rolle, nur halbherzig mit den Augen immer auf Menschen gerichtet,
die in sich zu ruhen schienen, die Glück und Sicherheit ausstrahlten.
Ich fragte mich, was ihr Geheimins war.

Ich flüchtete mich in Bücher...
aß nicht mehr, schlief nicht mehr,
sondern träumte mich in das Leben fiktiver Helden,
solange ich konnte, bis die Müdigkeit überhand nahm.

In diesen toten Seiten beschriebenen Papiers sah ich, was LEBEN war.
Ich las, was es bedeutete, Berührungen zu fühlen.
Ich las, was Leidenschaft war.
Ich las, wie sich Adrenalin auswirkte.
Und ich las von Liebe.

Irgendwann ging mir der Lesestoff aus.
Einen kurzen Moment befürchtete ich,
dass nun alles zu Ende sei und ich keine weitere Dosis Leben mehr finden könnte.

Doch bis dahin hatte ich, ohne es wirklich zu bemerken,
passiv schon so viel erlebt, dass ich über dieses heuchlerische Leben hinausgewachsen war.
Ich wusste nun, was ich wollte:
Ich wollte den kalten Wind spüren und einen Moment innehalten um in den Himmel zu sehen,
statt blind zur Arbeit zu hetzen.
Ich wollte mich Herausforderungen stellen und sie besiegen, wie David gegen Goliath,
sie nicht vermeiden, sondern an ihnen wachsen.
Ich wollte jemandem ansehen und nichts als Zuneigung und Begehren fühlen,
ganz egal, ob er fleißig oder ordentlich oder reich war.

Und ich habe bis heute keinen Moment lang bereut,
dass ich meine (von meiner Seite) lieblose Beziehung beendete,
Meine riesige Altbauwohnung verließ und
mein Studium weiter unten in meine Prioritätenliste ordnete.

Ich habe mich noch nie so frei gefühlt wie an dem Tag,
als ich mit einer Reisetasche und meiner Gitarre in den Zug nach nirgendwo stieg.
Ich wollte kämpfen, überleben, meine Grenzen ausloten,
allein sein, mich selbst finden, ich selbst sein,
jemanden finden, der mich genauso schätzt, wie ich bin.

Seitdem habe ich gelernt, dass es immer wieder bergauf geht,
am meisten, wenns es zuvor bergab ging.
Ich habe gelernt, dass es nicht immer perfekt laufen muss,
sondern reicht, wenn man klar kommt.
Ich habe erfahren, dass ich sehr viel stärker bin, als ich dachte.
Und dass jeder Mensch Aufmerksamkeit und Mitgefühl verdient,
Denn jede Geschichte ergibt, aus Sicht des Protagonisten, Sinn.

Und ich durfte erfahren, was es bedeutet,
jemandem nach über zwei Jahren anzusehen und immernoch zu denken:
"Wie habe ich dich verdient?
Warum zur Hölle liebst du mich?
Hoffentlich endet das nie."
 
Man kann es als Fluch sehen, zu den Suchenden zu gehören.
Allerdings, wenn man der Sache eine Chance gibt kann man,
meiner Meinung nach, eine sehr viel höhere Lebensqualität erlangen.
Ich bin immernoch dabei, zu mir selbst zu finden.
Aber schon allein die Suche ist eine Erlösung.
Und ich glaube ich finde mich gar nicht so übel.


 

Montag, 26. Dezember 2011

Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken...




Ich stehe mit Freundinnen in einem kunterbunten Laden
in einer jungen, dynamischen Großstadt,
aus den Boxen dringt Partymusik, die eigentlich in Stoboskop-beleuchtete Räume gehört.
Wir sind gut drauf, shoppen aus Spaß an der Freude
und quatschen über Belanglosikgeiten und Problemchen.

Da, ein Wechsel in der Musik - ein Sommerhit.
Alle freuen sich, trällern falsch mit.
Nur mir schnürt es den Atem ab,
Ein bittere Geschmack verklebt meinen Rachen,
ein Druck auf meiner Gurgel, wie von einem Würgegriff
Ich reiße die Augen auf, im verzweifelten Versuch, die Tränen zurückzuhalten.
Atme tief in den Magen und langsam wieder aus.
Dann der Geschmack von Salz und
alles verschwimmt vor meinem Blick.

So wie damals,
Es war mehr Wasser als Sauerstoff in der Luft.
Zum ersten Mal eröffnete sich mit die Bedeutung des Wortes NiederSCHLAG.
Der Regen peitschte und der Wind revoltierte so laut,
dass ich kaum die Worte des Priesters ausmachen konnte.
Die Natur protestierte gegen diese Widrigkeit ihrer Selbst.
Das Wasser bildete Wände, die jeden von uns abgeschnitten und alleine dastehen ließen.

Ich hatte zuvor nach Ausreden gesucht, nicht an diesen unseligen Ort kommen zu müssen. 
Doch nun stand ich hier, zusammen mit vielen Anderen,
Eine Masse aus grau und schwarz, aus Mänteln und Schirmen,
durchnässt von Tränen und Regen.
Längst gleichgültig gegenüber der Kälte, die sich langsam in alle Glieder vorgearbeitet hatte.
Wir waren festgefroren, unsere Herzen erkaltet, bereit zu Brechen wie hauchdünnes Eis.
Auf der Schwelle zwischen untragbarem Schmerz und innerer Leere.

Der Priester meinte, du hättest noch letzte Woche an deine Wand geschrieben:
"Don't dream your life - live your dreams."
Ich musste schlucken.
Es fühlte sich an, wie ein säuregetränktes Messer, dass mir langsam die Kehle aufschlitzte.
Aber das war mir egal, weil alles egal war.
Weil an diesem Tag nichts mehr Wert hatte.
Weil du alles verloren hattest.
Weil wir dich verloren hatten.

Ich konnte es einfach nicht fassen.
Ich war hier, ja, es hatte in der Zeitung gestanden, aber dennoch...
Nichtmal die leeren Augen deiner Mutter konnten mich überzeugen.
Es konnte doch nicht sein, dass du vor kurzem noch geatmet hattest,
gesprochen, gelacht, Dinge berührt
und jetzt würdest du das nie wieder tun.
Es war noch so frisch - du hattest als Letzte die Blumen gegossen,
Deine Schuhe standen immernoch so da, wie du sie letzte Woche zurückgelassen hattest.
Man konnte doch nicht einfach so verschwinden.
In einem Moment ein Teil der Welt und im nächsten unwiderbringlich weg.
Einfach so, ohne Vorwarnung.
Mit 20 Jahren.

Musik erklang, ein Song, den du gern mochtest.
Du, die Lebenslustige, die Aktive, die Süße...
"Somewhere over the rainbow..."
Dieser Song handelt von Träumen.
Du wirst nie wieder träumen,
Keiner deiner Träume wird in Erfüllung gehen,
Du wirst nur die meinen heimsuchen
Und mich schreiend, keuchend erwachen lassen. Leer.

"If fluffy little blue birds fly
across the rainbow
why, oh why can't I?"
Singen meine Freundinnen.
Doch ich bin nicht mehr hier.
Ich bin bei dir,
wie immer, wenn dein Lieblingssong läuft.
Und ich hoffe du kannst fliegen <3

R.I.P.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Cookie Conversations Update

Sooo, heute sind die ersten Pakete fertig geworden!
Man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene Sorten Plätzchen es benötigt, um so eine Tüte zu füllen.
In den jetzigen befinden sich Vanille Kipferl, Mandelplätzchen mit Zuckerguss, Schneebällchen, Butterkekse mit Erdbeerglasur, Schoko-Rum-Krokant Pralinen und glasierte Haferflocken Pralinen mit Schokoguss.
Wir freuen uns schon sehr, sie zu verteilen und hoffen, sie werden einigermaßen angenommen!

Weitere Helfer sind immer gern gesehen :)
 Tamyklaus ^^


Cookie Conversations Pakete bereit verschenkt zu werden:


We heart Cookie Conversations!
 



Mittwoch, 7. Dezember 2011

Cookie Conversations




Weihnachtszeit. - Winter.
Glitzernder Schnee, warmer Tee und Kaminfeuer. - Eiskalter Matsch in den Schuhen, leerer Magen und blaue Lippen.
Sicher im warmen Zuhause sitzen und auf die märchenhaften Schneegestöber hinausspäen. - Am kalten Bahnhof zusammengekauert hoffen, dass einem jemand einen Groschen hinwirft.
Wenn überhaupt ein Problem, dann das, die richtigen Weihnachtsgeschenke für die Liebsten zu finden. - Sich fragen, ob man wohl die nächste Nacht noch überleben oder diesmal doch erfrieren wird.
Liebesbekundungen von allen Seiten, jeder ist dankbar für deine Existenz. - Jeden Tag wieder wird einem klar gemacht, wie lästig man für die Gesellschaft ist.

Was diese beiden Welten voneinander trennt?
Ein Moment.
Ein Unglück.
Eine Krankheit.
Ein schlechter Tag.
Ein falscher Freund.
Ein Zuhause - oder keins.

Es gibt ca. 330 000 Obdachlose allein in Deutschland. Das sind Menschen, die kein Zuhause haben, keinen Ort, an dem sie sicher sind, an dem sie schlafen oder leben können. Diese Menschen erwachen jeden Morgen in den Straßenschuhen, in welchen sie eingeschlafen sind. Und wenn man sich einmal die Mühe macht, mit ihnen zu sprechen, wird einem klar, wie ähnlich wir ihnen doch sind. Da trifft man auf Akademiker, ehemalige Manager und unglaubliche talentierte und intellektuelle Persönlichkeiten. Sie hatten einfach nur Pech und gerieten in eine Abwärtsspirale, aus der es allein kein Entkommen gibt - so, wie es jedem von uns passieren kann.

Cookie Conversations ist eine individuell ins Leben gerufene Aktion, die weder großer finanzieller Mittel noch besonderer Kontakte benötigt. Wir backen in der Weihnachtszeit so oft wir können mit ganz viel Liebe Plätzchen und wenn wir dann einen Obdachlosen auf der Straße treffen, bieten wir sie ihm an. Wobei wir uns auch mit ihm unterhalten und, wenn er will und wir Zeit haben, einen Kaffee trinken gehen.

Nun kann man sagen das bringt den Leuten nicht viel. Das mag schon sein, aber wenig ist immernoch mehr als gar nichts. Und wenn wir es schaffen diese Menschen auch nur einen Moment glücklicher zu machen und ihnen das Gefühl zu geben, wertvoll zu sein - durch den wohligen Duft von hausgemachten Plätzchen und eine nette, ehrlich interessierte Unterhaltung - dann ist uns das schon Erfolg genug.

Also, have heart, schließt euch an und verbreitet den Geist der Weihnacht!

"Jeder Mensch ist aber nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere, in jedem Fall wichtige und merkwürdige Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig, ewig, göttlich, darum ist jeder Mensch, solange er irgend lebt und den Willen der Natur erfüllt, wunderbar und jeder Aufmerksamkeit würdig. In jedem ist der Geist Gestalt geworden, in jedem leidet die Kreatur, in jedem wird ein Erlöser gekreuzigt." - Hermann Hesse








Montag, 14. November 2011

-√\♥-√\_





Mein Herzschlag ist der Takt,
Der jede Handlung meines Lebens lenkt.

- Lenore

Donnerstag, 10. November 2011

Sleeping Beauty




Da lag sie nun.
Vollkommen, wunderschön, ein Traum.
Atmete schwer durch ihre vollen Lippen.
Schloss langsam ihre großen Puppenaugen.

Und sah die Vergangenheit.
Erinnerte sich an den Moment,
als die Erwachsenen entschieden, sie wäre alt genug für die Wahrheit.
Den Moment,
als sie ihr erzählten, ihr Vater sei nicht als tapferer Held im Krieg gefallen.
Dass sie gezeugt wurde,
in einer von Hitler's "Zuchtkliniken".
Ihre Mutter wurde einem passenden Befruchter zugeteilt
Und so war sie entstanden.
Nichts da mit Romantik.
Sie war ein Produkt.

Das war der Moment, als sie den Glauben an die Liebe verlor.

Herr Hitler's Plan war von Erfolg gekrönt - sie wurde mit jedem Jahr schöner.
Groß, schlank, blond und makellos.
Arisch.
Ihre Mutter heiratete und sie wagte, auf eine Familie zu hoffen,
einen Vater, endlich.
Doch der neue Mann sah nicht das Kind,
er sah die attraktive, junge Frau.
Und er machte sie sich zu eigen.
Sie, das Produkt.

Das war der Moment, als Sie die Hoffnung auf Liebe verlor.

Sie sagte kein Wort, wollte Mutters Glück nicht zerstören.
Und letzten Endes: Wer hätte ihr geglaubt?
War sie doch die einzige in der Familie mit anderem Nachnamen.

So vergingen die Jahre,
und niemand schien zu sehen
Wie die Seele der jungen Frau immer weiter verkümmerte,
während ihr Aussehen immer mehr erblühte.
Wie das Leuchten aus den blauen Augen verschwand.

Liebe kannte sie nur in Form sexueller Zuwendung
und so konzentrierte sie sich auf ihre Erscheinung.
Es dauerte nicht lange, da wurden Modeschöpfer auf sie aufmerksam.

Man lies sie in Hauptstädte einfliegen 
Und riss sich nach Fotos von ihr
Dior nahm sie unter Vertrag
Ein Traum ging in Erfüllung.
Sie war eine Prinzessin.
Ein Produkt, das sich gut verkaufte. 

Das motivierte sie.
Sie wollte ihre eigene Familie gründen,
Ein Zuhause, Geborgenheit erfahren.
Bekam ein Kind.
Doch wenn sie es in die Arme schloss
und in seine kleinen Äuglein sah, 
in ihre Augen sah,
fühlte sie... nichts.

Das war der Moment, als sie erkannte, sie hatte die Fähigkeit zu lieben verloren.

Und da lag sie nun.
Die leere Packung Schlaftabletten fiel aus ihrer Hand,
als sich ihre Muskeln entspannten.
Eine gebrochene Puppe,
ein veraltetes Produkt.
Haltbarkeit 22 Jahre.
Und schloss die Augen.





R.I.P. Tante Dagmar <3 Ich hätte dich unglaublich gerne kennengelernt.
Wir hätten viel zu besprechen gehabt.
Ich hoffe es gibt Liebe, da, wo du jetzt bist.

Montag, 7. November 2011

L'Art Pour l'Art



Kunst um der Kunst willen, um des Schönens willen.
Ästhetizismus, Oscar Wilde.
Ist das oberflächlich?
Diskutabel.

Die heutige kreative Welt scheint dem Trugbild erlegen zu sein, 
Die Elemente Entblößung, Gewalt und Schock seien Garant für Kunst.
Ich bin es leid, nackte, mit Blut beschmierte Akteure auf der Bühne zu sehen.

Dessen, dass die Welt schlecht und voller Brutalität ist, bin ich mir bewusst,
das muss man mir nicht mehr auf Bildern und in Dramen vermitteln.
Dafür muss ich nur die Nachrichten einschalten oder
jede x-beliebige Zeitung aufschlagen.

Natürlich ist es wichtig, auf unbekannte Missstände hinzuweisen
und den Menschen auch die Abgründe ihrer Spezies vor Augen zu führen.
In Dosen.Wenn diese bisher unbeachtet waren.

Doch ist der Faktor, der den Künstler vom Otto Normalverbraucher unterscheidet,
meine Meinung nach seine
PHANTASIE
Den Mensch zu zeigen, was IST, ist keine Kunst.
Das ist Dokumentation.

 Und wenn ich mich recht entsinne, haben wir in der Schule gelernt,
dass die Kunst in dunklen Zeiten immer einen Zufluchtsort für die Menschen geschaffen hat.

Nun, wenn es auf dieser Welt keine schönen Orte mehr gibt,
muss man sich eben welche erschaffen - im Geiste.
Denn nur dort sind wir unantastbar.
Da die Imagination eines Normalsterblichen allerdings begrenzt ist,
ist es die Aufgabe der Kunst, diese armen Seelen zu retten.

Nun denken viele, es sei mutig, Gewalt zu verbildlichen.
Ich wage zu sagen
die Niederträchtigkeit der Welt darzustellen ist faul und feige,
denn wer keine Träume hat, hat nichts zu verlieren.
Ist Mut nicht, an das Unwahrscheinliche zu glauben?
So wie Tapferkeit, Ehrlichkeit, Tugend und Liebe?

Heißt es nicht, das Werk zeigt nicht das dargestellte Objekt, sondern vielmehr 
die Seele des darstellenden Künstlers?
Machen wir es uns nicht so einfach.
Zeigen wir nicht, was wir fühlen, jetzt.
Zeigen wir, was wir hoffen, für die Zukunft.

Denn wer hat heute noch den Mut, zu hoffen?


Sonntag, 30. Oktober 2011

Schockierend schönes Gedicht von Gastautorin Tamy



Tamara ist eine junge, äußerst kreative Großstadtpiratin aus München. Neben der Malerei und der Animation ist die Poesie eine ihrer vielen Leidenschaften. Das Talent dazu scheint sie von ihrer Mutter geerbt zu haben, die bei einem Verlag unter Vertrag ist. In Ihrer Freizeit rettet sie die Welt mit ihrem Kung Fu im Kampf für die Menschenrechte. Genießt ihr folgendes Gedicht, es entstand vor ca. drei Jahren und ich finde es atemberaubend!




Der kalte Hauch Novemberwindes
müde, zart und Schmerzen lindernd
streicht die Wangen des Schattenkindes
niemand kann im Diesseits hindern.

Die Dämmerung alsbald weiß
wie viel Zeit jetzt noch verbleibt
bis das trügerische silberweiß
des Mondlichts Scheusal hertreibt.

Der schwarze Schleier Nebelstraum
kann kein Geheimnis mehr verdecken
und außerhalb des Waldes Saum
kein Ungetier sich mehr verstecken.

Länger als ein Leben lang
verflucht bis in alle Ewigkeit.
Des Schattenkindes Nachtgesang
klingt trauernd um des Herzens Reinheit.
 
 
 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Are You Alive or Walking Blind?



"Leben - es gibt nichts selteneres auf der Welt.
Die meisten Menschen existieren nur." - O.W.

Ihr denkt, ihr wäret am Leben?
"Carpe Diem" ist euer Motto.
Kostet die Nächte aus, nutzt die Sonnenstunden.
Legt Odysseen zurück, um zu einem Konzert zu kommen.
Doch auf dem Weg dorthin,
Läuft derselbe Tonträger fünf Mal durch,
nahezu unbemerkt.
Ihr versucht, euch auf den Gitarrenpart zu konzentrieren,
der euch beim ersten Mal so begeistert hat.
Aber egal, wie oft ihr den Song wiederholt,
Ihr verpasst ihn, nehmt ihn nicht wahr.
Singt gedankenabwesend mit, ohne Bewusstsein der Worte.
Die Straße seht ihr auch nicht.
Die Natur, die Lebenwesen, die Lichter.
Ehe ihr euch verseht, seid ihr angekommen.
Vor dem Konzert noch in ein Restaurant,
euer Lieblingsessen genießen.
Schlingt es herunter ohne etwas zu schmecken.
Der selbst vorgeheuchelte Genuß 
nur ein Echo der Erinnerung an den Geschmack.
Mit Freunden in die Nacht
So fühlt sich Jugend an.
Das sagt ihr euch immer wieder, wie ein Mantra.

Und am nächsten Morgen?
Zurück zur grauen Eintönigkeit,
Vergessen all das scheinbar Schöne des Vortages.
Glück dauert nur solange es greifbar ist.
Macht euch nichts vor.

Habt ihr gefühlt, wie die Sonnenstrahlen warm auf der Haut brennen
Und allem, was im Schatten liegt, Gänsehaut erregen?
Habt ihr den Fahrtwind gespürt, wie er sich gegen eure Hand presst?
Kamen euch Märchen in den Sinn, als ihr die satt grünen Tannenwälder saht?
Ist euch die Ruhe und Wärme aufgefallen, die euer Herz umgibt, 
wenn ihr von einem Freund umarmt werdet?
Wart ihr unsterblich, gestern Nacht?
Ein Teil dieser Welt,
und seid es noch?

Dann lebt ihr.
Bewusst. 

Glückwunsch





Montag, 10. Oktober 2011

Money Money Money




Geld.
Geld, Geld, Geld.
Alles dreht sich darum. 
Warum? 
Was ist dieses Geld?
Wofür versklaven wir uns ein Leben lang?
Geld hat ein Eigenleben angenommen.
Ist vom dienlichen Zahlungsmittel zum Machtinhaber verkommen.
Wir vergessen leider, dass Geld eine Plage ist, die wir uns selbst angetan haben.
Marco Polo war es, glaube ich, der die Idee von Münzen als Zahlungsmittel aus China mitbrachte.
Damals florierte noch der Tauschhandel. 
Meine Schnitzerei für dein Huhn. Bitte - dankeschön.
Aber dann kam jemand auf die Idee, einen Platzhalter zu erschaffen, der symbolisch einen Wert darstellt.
Wozu eigentlich?
Damit man global einheitlich Waren erwerben kann? Ist ein Huhn nicht allgemein verständlich?
Musste man damals, wenn man in's Ausland fuhr, auch Währung wechseln?
Ein Rind, das macht 10 Koalas, wenn Sie nach Australien wollen.
Oder macht sich ein Bündel Scheine einfach besser in einer Handtasche als ein Dutzend Hühner?
Dennoch mussten wir Tauschen: Ware gegen Geld, Geld gegen Ware. Dollar gegen Euro und vice versa.
Wir hatten nur einen Umweg geschaffen.
Und schon sind wir in der Gegenwart, wo es die sogenannte "Geldillusion" gibt.
Menschen denken nicht mehr in Einheiten realer Werte, sondern vielmehr in ungreifbaren Zahlen.
"Das sind 200€", nicht "das ist ein Flug nach London".
Geld an sich hat einen Eigenwert bekommen, ist zum Statussymbol mutiert. 
Wir jagen ihm nach, verkaufen unsere Seelen dafür, und sind bemüht, so viel wie möglich davon anzuhäufen.
Irgendwann haben wir dann einen großen Haufen bedrucktes Papier.
Als man noch tauschte, förderte die Wirtschaft die kreative Entfaltung eines jeden Bürgers. 
Wenn ich eine Kuh will, dann sollte das, was ich im Gegenzug dafür anbiete, auch eine entsprechende Qualität besitzen, sonst werde ich wohl auf das Steak zu Weihnachten verzichten müssen.
So musste man herausfinden, was man w i r k l i ch kann, besser, als alle anderen.
Nur so konnte man überleben.
Heutzutage bekommt man für jede Arbeit Geld. 
Es wird nicht pro Leistung gezahlt, sondern pro Stunde.
Und dabei ist es völlig egal, wenn man nur ein Mindestmaß an Mühe aufwendet, 
die eigene Arbeit zutiefst verachtet und so wenig tut, wie nur irgend möglich.
Und so haben wir eine Hassliebe für die knittrigen Scheinchen entwickelt,
Schleppen uns jeden verhassten Montag zur Arbeit und geifern nach dem Wochenende.
Man sollte den Menschen mal erzählen, dass das Land mit den signifikant glücklichsten Einwohnern der Welt Mexiko ist - ein von Armut geplagtes Land.
Jemand sollte ihnen erklären, dass Reichtum und Glück nicht miteinander korrelieren.
Das auffälligste Korrelat, mit der Lebenszufriedenheit der Einwohner eines Landes, das ermittelt werden konnte, war die demokratische Staatsführung.
Freiheit ist das Zauberwort.
Selbstbestimmung.
Gerechtigkeit.
Aber genau da liegt wiederum die Krux.
Denn das böse, böse Geld hat einen sehr verlockenden und deshalb umso verheerenderen Vorteil:
Es ist der einzige Weg, die beiden antagonistischen Wünsche zu verbinden, die in jedem von uns brennen, sich sonst jedoch wechselseitig ausschließen:
Sicherheit und Freiheit.
(Die Diskussion darüber, was "Sicherheit" und "Freiheit" eigentlich bedeutet, heben wir uns für ein anderes Mal auf ;)

Was nun?
Ist die Freiheit, sich alles leisten und tun zu können, was einem vorschwebt, äquivalent zur Freisagung von der ewigen Knechtschaft des Geldes?
Natürlich bin ich nicht so verblendet zu glauben, es wäre einfach, zehn dutzend Eier nach England zu verschiffen, um im Gegenzug eine neue Röhrenjeans zu bekommen.
Wenn es jedoch zu wirklich wichtigen Konflikten diesbezüglich kommt, zum Beispiel dem, ob ich meiner physischen und psychischen Gesundheit schade, nur um an Geld zu kommen, teile ich eher die Meinung von Grandpa George:
"There's plenty of money out there. They print more every day. But this ticket, there's only five of them in the whole world, and that's all there's ever going to be. Only a dummy would give this up for something as common as money. Are you a dummy?"

NO SIR, I'M NOT A DUMMY!